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Medina Coswig

Was ist Parkinsonsche Krankheit?

Das auch als "Schüttellähmung" (Erstbeschreiber James Parkinson, 1755 – 1824) bekannte Nervenleiden resultiert aus einem Ungleichgewicht chemischer Botenstoffe, die die Aktivität der Nervenzellen im Gehirn steuern. Es befällt Menschen in einem Alter zwischen 40 und 70 Jahren, Frauen und Männer etwa gleich häufig. Die Erkrankungshäufigkeit nimmt mit dem Lebensalter zu. Als grobe Faustregel gilt: Etwa 1 Prozent der über 60-Jährigen, 2 Prozent der über 70-Jährigen und 3 Prozent der über 80-Jährigen erkranken an Parkinsonscher Krankheit. Sie schreitet nur langsam voran. Vom Beginn bis zur Pflegebedürftigkeit vergehen nicht selten bis zu 20 Jahre.

Charakteristisch ist ein fortschreitender Verlust an dopaminhaltigen Nervenzellen vorwiegend in einem Bereich des Mittelhirns, aber auch in anderen Kernkomplexen des Hirnstamms. Im Mittelhirn wird der Botenstoff Dopamin produziert. Fehlt dieser oder wird er nur vermindert erzeugt, werden Nervenzellen in der Steuerzentrale des Bewegungsapparates nicht mehr ausreichend stimuliert. Dabei kann ein Ungleichgewicht zu Gunsten anderer Überträgerstoffe wie Acetylcholin und Glutamat entstehen. Auf dieses Übergewicht führt man das Zittern (Tremor) und die Muskelsteifheit (Rigor) der Parkinson-Patienten zurück.

Der Krankheitsverlauf lässt sich nicht aufhalten. Eine Heilung gibt es nicht.

Wie entsteht eine Parkinsonsche Krankheit?

Beim "Parkinson" werden je nach Ursache verschiedene Typen unterschieden:
  • Ist die Ursache unbekannt, spricht man vom "idiopathischen Parkinson-Syndrom", der eigentlichen Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Morbus Parkinson (ca. 75-80% aller Fälle). "Idio" bedeutet im Griechischen "eigen, von Natur aus" und "pathos" der Zustand bzw. das Leiden.
  • Symptomatische Parkinson-Syndrome entstehen durch Nervengifte (z.B. Kohlenmonoxid- oder Manganvergiftung), Erkrankungen der Gehirngefäße, Stoffwechselstörungen (Morbus Wilson, Hypoparathyreoidismus), häufig wiederkehrende Traumen ("Boxerparkinson") oder Gehirntumore.
  • Auch Medikamente können zu einem Parkinsonoid führen: Klassische Neuroleptika, wie sie z.B. bei der Schizophrenie angewandt werden, sind Dopamin-Blocker und rufen daher als Nebenwirkung Parkinson-ähnliche Störungen hervor. Treten außer den Parkinson-Symptomen bestimmte, weitere neurologische Erscheinungen auf, bezeichnet man das als "Parkinson plus".
Genetische Ursachen werden immer wieder diskutiert. Defekte der Erbträger (Gene) wurden bei verschiedenen Chromosomen identifiziert und mit Parkinson in Verbindung gebracht, z.B. bei Chromosom 12. Familiär gehäufte Fälle treten aber sehr selten auf und dann vor allem bei Jüngeren (sog. "juveniler Parkinson" bei unter 40-Jährigen). Das Risiko für einen Parkinson-Patienten, die Krankheit weiter zu vererben, ist also relativ gering.

Umweltfaktoren tragen vermutlich zur Entstehung der Krankheit bei. Von einigen Schwermetallen, Schädlingsvernichtungs-, Rausch- und Arzneimitteln weiß man, dass sie zu Parkinson-artigen Störungen führen können. Neben den erwähnten Neuroleptika sind dies z.B. auch das blutdrucksenkende Medikament Reserpin oder Antidepressiva wie Lithium. Viren verursachten in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine bestimmte Gehirnentzündung (Encephalitis lethargica), die mit Parkinsonismus einher ging. Alle konkreten Ursachen, die mit Parkinson in Verbindung gebracht werden können, fallen unter den Begriff "symptomatisches" bzw. "sekundäres" Parkinson-Syndrom.

Was sind typische Zeichen für eine Parkinsonsche Krankheit?

  • Ständiges Zittern auch in Ruhephasen, aber nicht obligat
  • Rheuma-ähnliche Beschwerden
  • Gebeugte Haltung
  • Schlürfender Gang
  • Schweißausbrüche
  • Depressionen
  • gestörtes Gleichgewicht
  • Gesichtsstarre
  • Wenig artikulierte, monotone Sprache
  • Versteifte Muskulatur
  • Kau- und Schluckbeschwerden
  • Verstopfung

Wie wird Parkinsonsche Krankheit behandelt?

Die meisten Fälle können bei geringer Medikation lange fast normales Leben führen. In sehr schweren Fällen kann es zu Depressionen und geistigem Verfall kommen. Wichtig bei der Behandlung sind neben der Verabreichung von Medikamenten ausreichende Flüssigkeitszufuhr, fettarme Ernährung, eine umfassende psychosoziale Betreuung, Ergotherapie und regelmäßige Krankengymnastik mit Bewegungstherapie.

Hierzu gehören:
  • Ergotherapie
  • Krankengymnastik
    • Einzeln
    • In Gruppen
    • Stoffwechselgymnastik
    • Atemgymnastik
    • Beckenbodengymnastik
    • Schwimmbadtherapie
    • Laufschule
  • Physiotherapie
    • Heißluft
    • Rotlicht
    • Massage
    • Reizstrom
    • Inhalation
    • Sauerstofftherapie
    • Bewegungsbäder
  • Logopädie
  • Musiktherapie
An Medikamenten werden in der Regel verabreicht:
  • L-Dopa (das im Körper in Dopamin umgewandelt wird)
  • MAO B- und COMT-Hemmer, die den Abbau von Dopamin hermmen
  • Dopaminagonisten wie Bromocriptin oder Ropinirol (stimulieren auch in der Spätphase noch die Dopaminrezeptoren)
Die Forschung verspricht sich viel von Stammzellentransplantationen, die abgestorbene Gehirnzellen einfach ersetzen sollen. Hier steht die Wissenschaft aber erst am Anfang.

Wie wird das alltägliche Leben gestaltet?

Die therapeutische Arbeit ist immer Hilfe zur Selbsthilfe. Jede Maßnahme wird im Vorfeld mit dem Patienten abgesprochen. Sein Wille wird absolut respektiert, auch wenn dies bedeutet, dass er womöglich bestimmte, eigentlich sinnvolle Hilfen ablehnt.

Pflegerische Unterstützung ist dort notwendig, wo ein Patient das alltägliche Leben nicht mehr selbst bewältigen kann. Ziel ist es hier, die Fähigkeit, am gemeinschaftlichen Leben teilzunehmen, so lange wie möglich zu erhalten oder wieder herzustellen.

Bei Sprachstörungen sind Pflegekräfte besonders gefordert. Ein Zugang zum Patienten kann hier über emotionale Reaktionen erfolgen. Dies setzt ein besonderes Vertrauensverhältnis voraus. Gemeinsam mit Ergo- und Physiotherapeuten werden durch gezielte Beobachtung die Bewegungen trainiert, die am meisten Schwierigkeiten machen. Außerhalb dieser Therapiestunden trainieren Schwestern mit den Patienten das Erlernte weiter. Im Rahmen der Lauf- und Bewegungstherapie kann dies auch im Außenbereich geschehen.
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